Multikulti zum Anziehen vom Münchner Label HYRES

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Regina Bruckschlögl

20. März 2021

Hyres
© Hyres

Das Münchner Label HYRES bringt freundliche Botschaften für mehr Vielfalt und gegenseitige Akzeptanz auf T-Shirts und Pullis. Das klingt nicht nur gut, sondern sieht auch so aus. Wir wollten mehr wissen und haben mit den vier Gründer:innen gesprochen.


Stellt Hyres doch mal bitte vor: Wer steht dahinter, wie kam es zu der Idee und was bedeutet der Name?

Wir – Sarah, Canan, Beni und Max – sind Freunde mit deutschen, persischen und türkischen Wurzeln. Wir haben alle eines gemeinsam: Wir sind in München geboren und groß geworden. Und doch sind wir sehr unterschiedlich da wir mit verschiedenen Werten, Traditionen und kulturellen Einflüssen aufgewachsen sind. Die Frage nach der eignen Identität und nach dem "Woher kommst Du und wer bist Du?" hat uns schon immer begleitet und auch zu der entscheidenden Frage geführt, über die wir uns gerne sehr lange und intensiv unterhalten haben: Muss man sich für "die eine Identität" entscheiden? Darf man nur einen Ort als Heimat bezeichnen? Ist die eine Sprache, Kultur, Tradition besser als die andere?

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Die Gründer:innen von Hyres

Unsere eigenen Erfahrungen und Identitäten als Deutsche, als Mischlingskind, als Kind von ehemaligen Gastarbeitern haben uns geprägt und uns immer wieder vor Augen geführt, wie wichtig es ist, sich nicht auf das ein oder andere festlegen zu müssen. Die kulturelle Vielfalt, über die wir sehr dankbar sind, und die für uns ein Ausdruck von vielfältigen Identitäten bedeutet, wollten wir in einem Label und in bunten Botschaften übersetzen.

So entstand 2018 an einem Sommerabend die Idee zu unserem ersten Statement- Shirt: Servus Habibi! Und unserem Namen: HYRES.

HYRES kommt von High Resolution und bedeutet hochauflösend. Der Hintergrund ist der, dass man sich über Menschen oder Situationen viel zu schnell ein Urteil bildet ohne zu wissen welche Geschichte sie mit sich tragen, welchen Background sie haben oder warum sie in bestimmten Situationen so handeln wie sie handeln. Der Name HYRES bedeutet daher im übertragenen Sinne, dass sich das große Ganze immer aus vielen kleinen Teilen zusammensetzt und man genauer hinsehen muss, um das große Ganze, das heißt Menschen und ihre Handlungen zu erkennen und zu verstehen.

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Welche Message wollt ihr mit euren Klamotten transportieren? Und habt ihr das Gefühl, dass ihr die Leute damit erreicht?

Unser Ziel ist es mit fair und nachhaltig produzierten Kleidungsstücken eine freundliche Botschaft in die Welt zu tragen und ein Statement für mehr Vielfalt und gegenseitige Akzeptanz zu setzen – Multikulti zum Anziehen quasi.

"We Are All Hybrid Kids"

Auf unserem ersten T-Shirt mit dem alles anfing, standen die Wörter: Servus Habibi. Wir fanden den Gedanken, dass hier eine Brücke zwischen zwei Traditionen und Welten geschlagen wird unheimlich spannend und wichtig. Menschen sollen mit unseren Produkten dazu animiert werden "Brücken zu schlagen". HYRES ist daher Fashion für alle, die sich in mehreren Kulturen, Städten, Welten und Traditionen zuhause fühlen – we are all hybrid kids!

Uns haben bereits viele Rektionen erreicht die sagen, sie sind ebenso Hybrid Kids und lieben die Message dahinter. Viele finden die Sprüche oder Designs auch einfach witzig, weil sie die Sprüche entweder selber benutzen oder von Freunden kennen und sich damit identifizieren können.

Was kann man bei euch gerade alles kaufen und ist eine Erweiterung des Sortiments geplant?

Unsere Kollektion umfasst aktuell T-Shirts, Sweater, Hoodies, Accessoires, Lounge Wear, Beanies und Caps aber auch Masken und Taschen. Unser Shop ist zwar in Damen, Herren und Kids unterteilt jedoch sind die Schnitte Unisex und können von allen getragen werden.

Unser Sortiment erweitert sich um weitere Produkte in den kommenden Wochen – lasst euch überraschen!

© Hyres

Wie kommt ihr auf eure Designideen?

Ganz unterschiedlich. Wir lassen uns aber meist von unserem Umfeld inspirieren und spitzen die Ohren welche Wörter oder Messages zu einem gemeinsamen Nenner führen und Reaktionen hervorrufen. Wir lieben den Mix aus witzigen Ideen wie "Baklava for peace" als auch Ideen, die zum Nachdenken animieren wie "Nobody is born hating".

"Fuck Fast Fashion"

Wo lasst ihr produzieren und legt ihr Wert auf Nachhaltigkeit?

Nachhaltigkeit ist für uns alle ein sehr wichtiger Aspekt, den wir fest in unserem Alltag integriert haben. Die Textilbranche gehört vielen Studien zufolge zu den schmutzigsten Industrien überhaupt. Insbesondere schnell und billig produzierte Kleidungsstücke a la Fast Fashion tragen dazu bei, dass eine Unmenge an Ressourcen verschwendet werden.

Nach dem Motto "Fuck Fast Fashion" haben wir uns daher bewusst vorgenommen, dass wir bei der Produktion von Kleidungsstücken Verantwortung übernehmen wollen. Das bedeutet, dass bei uns alle Kleidungsstücke aus Naturfasern von nachhaltigen Plantagen aus Bio-Baumwolle hergestellt werden. Um Überproduktionen und damit einhergehende Ressourcen-Verschwendung zu vermeiden, werden die meisten Produkte ausschließlich auf Bestellung gefertigt.

Eine eure Message ist "Nobody is born hating" - wenn man sich gerade in Deutschland (und der Welt) umsieht, könnte man daran etwas zweifeln. Gibt es (Münchner) Initiativen, Organisationen oder was auch immer, die ihr für sehr unterstützenswert haltet und die sich gegen (Alltags-)Rassismus engagieren?

Wir haben diese Message bewusst provokativ gewählt, weil wir den Menschen einen Denkanstoß geben wollten. Hass, Stereotype und Vorurteile sind uns nicht in die Wiege gelegt worden, sondern entstehen im Laufe unserer Sozialisation.

Die Gründe und Facetten von (Alltags-) Rassismus sind sehr vielschichtig. Aber genau so gibt es hier in München viele Vereine und Organisationen die in vielen Bereichen gegen Rassismus ankämpfen und eine tolle Arbeit leisten.

Besonders erwähnenswert ist an dieser Stelle unter anderem die Arbeit von Bellevue di Monaco, die ein vielfältiges Beratungs- und Ausbildungsangebot für Geflüchtete und Hilfesuchende Menschen anbieten. Ebenso setzt sich zum Beispiel der Verein „München ist bunt“ für Toleranz, Demokratie und gegen Rassismus, sowie Antisemitismus ein. Die Vereine „Bunt kickt gut“ oder das „Boxwerk München“ sind für uns auch super Beispiele ein Statement zu setzen und für ein Miteinander zu plädieren.

Derzeit arbeiten wir wir auch mit dem Restaurant "Servus Habibi" zusammen und haben mit Künstler wie Kaled, Simon Pearce oder auch Daniel Aminati kooperiert.

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