We Won't Shut Up! – Gemeinsam laut

Luba Schwirtz

Luba Schwirtz

09. März 2021

Das Kollektiv
© Catherina Hess

Anlässlich des Frauentags in 2020 entstand das Münchner Kollektiv "We Won't Shut Up!". Die Initiator:innen wollten an diesem Aktionstag auf Missstände hinweisen, Informationsmöglichkeiten bieten, zum Austausch anregen, verschiedenen Organisationen eine Plattform bieten, aber auch Kunst, Kultur und Musik einer größeren Öffentlichkeit nahebringen. Das wurde so gut angenommen, dass nicht nur We Won't Shut Up! um einige Mitglieder:innen wuchs, sondern auch die Breite der Veranstaltung. Mittlerweile bieten sie Infostände, Podiumsdiskussionen, Workshops, Konzerte und DJ-Sets an und rücken so Frauen, aber auch die LGBTQI* in den Fokus und machen auf Missstände in unserer Gesellschaft aufmerksam. Und das laut! Wir haben mit We Won't Shut Up! gesprochen und stellen euch das Kollektiv genauer vor.


Wer seid ihr und wofür steht ihr?

Wir sind neun Menschen aus drei verschiedenen Münchner Organisationen (NIKA Music, Holy Fingers und das Bayerische Seminar für Politik e.V.), die sich 2020 für das erste We Won't Shut Up! zusammengeschlossen haben. Wir wollten eine Veranstaltung im Rahmen des internationalen Frauentags schaffen, die den Geist dieses besonderes Tages so gut wie möglich einfängt und weitergibt. In der Glockenbachwerkstatt ließen wir in Vorträgen, Workshops und Gesprächsrunden zu vielfältigen, wichtigen Themen, von denen Frauen betroffen sind, Expert:innen und Aktivist:innen zu Wort kommen. Außerdem wurden Missstände beleuchtet, auf Gewalt gegen Frauen aufmerksam gemacht, über den feministischen Kampf sowie LGBTQI* informiert, Organisationen und Vereinen eine Plattform geboten und Musiker:innen auf die Bühne und female DJs hinter die Plattenteller gebracht.

Kurz: Wir wollten eine große Plattform für Frauen und Interessierte schaffen, die Einheit und Zusammenhalt vermittelt und möglichst viel Aufmerksamkeit für "die Sache" schafft. Und das möglichst laut! Weil das erste We Won't Shut Up! so positiv aufgenommen wurde und wir gemerkt haben, wie gut und ja, notwendig diese Veranstaltung ist, legen wir in 2021 trotz Corona noch einen drauf und veranstalten eine große Online-Aktionswoche. Wir stehen für Unity, Solidarität, Aufklärung, Protest und Mut. Und wir werden niemals Ruhe geben.

Wie kam es zu dem Namen?

 Leider sind Frauen in unserer Gesellschaft oft noch Menschen im Hintergrund. Sie leisten unbezahlte Care-Arbeit, sind in politischen Positionen und großen Unternehmen immer noch in der Minderheit. Sie werden vom kapitalistischen System unterdrückt. Frauen werden nach wie vor nicht gleichwertig behandelt. Dagegen stehen wir auf, sind laut und we won't shut up! Zum Namen kam es, als einer Mitstreiterin an ihrer alten Arbeitsstelle von ihrem männlichen Vorgesetzten vorgeworfen wurde, dass sie zu laut und radikal sei. Sie hat uns auf die Idee dieses Namens gebracht. Anmerkung dazu: Sie arbeitet mittlerweile glücklich und zufrieden in einem Münchner Frauenhaus!

Was bietet ihr an?

Wir bieten Workshops zu Empowerment, verschiedene Interviews, Online-Seminare zu den unterschiedlichsten Themen, Lesungen, Performances, DJ-Sets und Konzerte an.

Was möchtet ihr mit We Won’t Shut Up! erreichen?

Wir möchten so viele Frauen wie nur möglich erreichen und vernetzen. Sie sollen die Möglichkeit haben, sich gegenseitig zu inspirieren und empowern. Aber selbstverständlich ist es uns auch sehr wichtig, Männer zu erreichen, denn gerade diese wollen wir für die Themen sensibilisieren. Wir wollen außerdem alle Menschen jeglicher Geschlechtsidentität ansprechen. Wir wollen erreichen, dass alle Menschen gleichwertig behandelt werden und frei von jeglicher Diskriminierung leben können. Gemeinsam sind wir stark! Gemeinsam können wir was bewegen.

Seid ihr auch außerhalb des Weltfrauentages aktiv? Wenn ja, wie?

Ja! Indem wir immer laut und nie leise sind. Mit “Nika Femme Power”, haben Nika Music beispielsweise eine monatliche Veranstaltungsreihe, in der sie Frauen aus Kunst, Kultur und auch Politik eine Bühne bieten und Aufmerksamkeit schaffen.

Ansonsten ist es uns natürlich besonders wichtig, Feminismus auch im Alltäglichen zu leben. Darauf kommt es doch letztendlich an. Die innere Einstellung nach außen zu tragen, denn so beginnt Veränderung! Das Bayerische Seminar für Politik e.V. als Bildungseinrichtung macht das ganze Jahr über durch verschiedene Veranstaltungsformate auf Gesellschaftliche Themen aufmerksam.

Und die Holy Fingers setzen der übermäßigen Kommerzialisierung in der Musikszene ihr DIY-Prinzip entgegen. Sie machen von Booking über Design, Werbung und Organisation alles selbst, stehen für faire Eintrittspreise und angemessene Bezahlung der Musiker:innen, die von ihnen gebucht werden, wollen mehr Miteinander in der Münchner Veranstalter-Szene und vernetzen sich deswegen gerne mit Clubs, Veranstaltern und Münchner Bühnen, um dem Publikum Unerwartetes, noch nie Dagewesenes (in dieser Stadt) und selten Gehörtes nahezubringen.

Was ist euch bei eurer politische Arbeit am wichtigsten?

Uns ist bei unserer politischen Arbeit besonders wichtig, dass wir Themen heranziehen, die auch unbequem sind. Alle Themen aller Altersklassen sollen herangezogen werden.

Wir wollen Menschen für das Mitmachen in unserer Demokratie sensibilisieren und mobilisieren. 
Außerdem wollen wir Toleranz und Kritikfähigkeit vermitteln. Durch unsere Veranstaltungen möchten wir den Menschen die Möglichkeit geben, dass sie die politische Handlungsfähigkeit durch kritisches Hinterfragen erwerben. Dazu gehören auch die Fähigkeiten, sich anderen mitzuteilen und mit anderen zu einem gemeinsamen politischen Handeln zu verständigen. Es ist wichtig, dass die Menschen wieder spüren, dass sie ein aktiver Teil in der Politik sein können und nicht ohnmächtig sind. Das Interesse an Politik soll geweckt werden. Besonders wichtig ist, dass wir alle Menschen erreichen und nicht in unserer Blase leben wollen – Politik auf Augenhöhe. Die Menschen sollen gehört werden. 

Ihr seid ja große Musikfans: Welche Rolle spielt das bei der Arbeit von We Won’t Shut Up!?

Das System macht es Frauen nicht nur in großen Unternehmen oder in Spitzenpositionen schwer, nach vorne zu kommen. Auch die komplette Musikindustrie ist nicht davor gefeit, dass Frauen es immer noch schwerer haben als ihre männlichen Mitstreiter.

Bei unserer Arbeit von We Won’t Shut Up! spielt deswegen auch Musik eine große Rolle. Wir bringen täglich beeindruckende, kreative Frauen auf die Bühne und ans DJ-Pult, nicht nur, um zu zeigen, dass es keinen Grund gibt für den unverhältnismäßig männerdominierten Allgemeinzustand der Musikszene, sondern auch und vor allem, weil wir selbst Fans sind und gute Musik einer breiteren Öffentlichkeit nahebringen wollen.

Umso schöner ist es, dass wir zudem dieses Jahr mit dem WUT-Kollektiv mächtige Partner:innen haben, die nicht nur geniale Musik auflegen und das sogar viermal in der We Won’t Shut Up!-Woche, sondern auch als aktivistisches Kollektiv auf eben diese Missstände hinweisen und aktiv Veränderung schaffen wollen.

Außerdem haben wir es uns nicht nehmen lassen, den Anlass zu nutzen und als Orga-Team ein All-Female-DJ-Set vor die Webcams zu bringen, bei dem wir unsere Lieblingsplatten weiblicher Interpreten auflegen.

Kann man bei euch mitmachen? Wenn ja, wie?

Unbedingt! Unsere neue Website soll eine Plattform für alle sein. Uns geht es darum, dass sich Frauen und Organisationen gegenseitig vernetzen können. Mit unserer Online-Festival-Woche ist das noch lange nicht vorbei. Wir wollen auch danach die Website weiter ausbauen und pflegen und wir hoffen, dass immer mehr Menschen auf uns aufmerksam und dadurch zu einem Teil von uns werden können.


Alle weiteren Informationen sowie Veranstaltungen findet ihr auf der Homepage von We Won't Shut Up.

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